Die kurze Geschichte von Laverda
1873 hat Pietro Laverda in San Giorgio di Perlena eine mechanische Werkstätte zur Herstellung von Landmaschinen und Kirchturm Uhren gegründet. Das Unternehmen war so erfolgreich, dass Laverda in Breganze, einem Dorf mit 7000 Einwohnern in den folgenden Jahren mit der Produktion von Mähdreschern und anderen landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen begann.
Nur 2 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs hat der junge Physiker Francesco Laverda zusammen mit Techniker Luciano Zen in einer kleinen Garage neben der elterlichen Villa mit dem Bau eines kleinen 4 Takt Motorrades begonnen. Im Frühling 1949 wurde das allererste Laverda Motorrad fertiggestellt und ausgiebig getestet. Im Jahr darauf wurde mit Unterstützung der beiden jungen Mechaniker Marcello Zen und Giuseppe Mambrelli eine Vorserie von 5 Prototypen gebaut, die unter anderem vom Dorf Arzt und vom Pfarrer Don Emireno ausgiebig getestet wurden. Bereits 1952, beim Langstreckenrennen Milano-Taranto waren die ersten 5 Piloten auf den robusten Laverda 75 als Sieger im Ziel und 1953 belegten Laverda Fahrer mit einer Durchschnitts-Geschwindigkeit von mehr als 82km/h die ersten 14 Ränge vor der ersten Capriolo.
Anfang sechziger-Jahren wurden 125er 4 Takt Maschinen, 4 und 2 Takt Mopeds (dieses vorne und hinten mit Scheibenbremsen!) und eine 200 cm3 Zweizylinder hergestellt. Massimo Laverda, ältester Sohn von Francesco und selbst leidenschaftlicher Motorradfahrer wollte ein grossvolumiges Motorrad: die 650er Zweizylinder wurde 1966 in London vorgestellt und ging 1968 in Produktion, wobei nach knapp 50 Stück der Hubraum auf 744 cm3 erhöht wurde. 1969 folgte die sportliche 750 S, mit der an 24-Stundenrennen beachtliche Erfolge eingefahren wurden. 1971 wurde die 750 S weiterentwickelt zur 750 SF. Neben höherer Leistung besass diese neue Laverda-Bremsen die Super Freni. Für Langstreckenrennen wurden 20 Production Racer gebaut, die 750 SFCompetitione, wovon im Werk bis 1976 insgesamt 549 Stück gebaut wurden. 1972 erschien die erste Dreizylinder mit 980 cm3. Sie war gemäss der Britischen „Motor Cycle News“ die schnellste Serienmaschine. Sie wurde zur Jota und zur Milledue modellgepflegt. 1981 erfolgte der Abschied von der ungewöhnlichen 180-Grad Kurbelwelle und 1983 erschienen die edel verkleideten Modelle der RGS-Reihe. Eine überaus moderne 500ccm Zweizylinder mit vier Ventilen und 6 Gängen wurde 1975 vorgestellt. Sie war aber, auch wegen der hohen italienischen Mehrwertsteuer von 35% zu teuer, um in grossen Stückzahlen verkauft zu werden. Moto Laverda baute auch verschiedene 125ccm Modelle anfangs mit Zündapp-Motoren und war Generalimporteur von Husquarna Motorrädern.
Legendär dann der Einsatz der Laverda Vu-Sei, eines Prototyps mit einem von Maserati Chefingenieur Giulio Alfieri konstruierten 1000ccm Sechszylinder DOHC 4 Ventil Motor, der bei seinem Debüt am Bol D‘Or 1978 auf der Mistralgeraden 30 km/h schneller gemessen wurde als die Seriensieger Maschine von Honda! 1984 folgte eine Zweizylinder Geländeversion mit 572 cm3, die OR 600 Atlas. 1987 wurde die Fabrik in Breganze geschlossen da keine Nachfolgeregelung innerhalb der weitverzweigten Laverda Familie gefunden werden konnte. Bis dahin wurden rund 90‘000 Motorräder (davon gut 30‘000 mit 500 cm3 und mehr) hergestellt.
Eine Arbeiter Kooperative und danach verschiedene Investoren ermöglichten Anfang 90er Jahre einen Neustart im nahen Zané bevor Anfang 2000 Ivano Beggio von Aprilia den Brand mit dem Italienischen Wappen auf dem Tank kaufte.
Heute gehört Laverda wie Moto Guzzi, Aprilia, Vespa, Gilera und Derbi zum Piaggio Konzern in Pontedera/Toscana und ist im Besitz der Familie Colanino …